NATURKUNSTRAUM
Wo sich Natur und
Kunst vereinen

Naturkunstraum

Getreu dem Zitat von Paul Cézanne „Die Kunst ist eine Harmonie parallel zur Natur“ wurde das Projekt „NaturKunstRaum“ ins Leben gerufen. Der NaturKunstRaum ist eine Land-Art-Ausstellung in einzigartiger Lage, auf dem Plateau der 587 m hohen Neubürg. 10 Künstler aus Deutschland, der Schweiz und Frankreich haben sich intensiv mit der Landschaft und der besonderen Atmosphäre der Neubürg auseinandergesetzt, haben die Stimmung des Berges auf sich wirken lassen und ihre Empfindungen in unterschiedlichen Werken zum Ausdruck gebracht.

Die Stellen, an denen die Werke stehen, wurden behutsam ausgewählt. Ein wichtiges Kriterium bei der Wahl der Standorte war die eindrucksvolle und markante Silhouette des Berges nicht zu verändern. So wurde das Plateau für hohe und weithin sichtbare Kunstwerke ausgespart. Die Installationen sollen kein aufdringlicher und aufgesetzter Schmuck für die Neubürg sein, sondern sensible Impulse, um mit der Kunst die Natur zu entdecken. Sie befinden sich ausschließlich entlang der bestehenden Pfade. Sie laden ein, auf Entdeckungsreise zu gehen. Denn die Werke sind zum Teil nicht auf den ersten Blick sichtbar, sie wollen aufgestöbert werden.

Öffnen Sie sich, wie der Blick in die Ferne sich öffnet, wenn man das Plateau besteigt und finden Sie Ihren individuellen Weg zur Kunst und Natur. Lassen Sie Natur, Kunst und den Raum auf sich wirken und erleben Sie die Ruhe und Weite der Region.

Das Material der Werke stammt aus der Natur und hat einen engen Bezug zur Neubürg, z. B. Kalkstein, Sandstein, Bronze (Besiedlung in der Bronzezeit), Eisen (der im rötlichen Eisensandstein vorkommt) oder Eichenstämme (früher Bestand mit Eichenwald). Dadurch verliert sich die Kunst fast in der Natur, die auf den ersten Blick urtümlich anmutet, aber stark von Menschenhand geprägt ist – Landwirtschaft, Abholzung des Eichenwaldes um das Jahr 1800, Abbau des Kalksteins in Steinbrüchen, Pflege der wertvollen Kalkmagerrasenstandorte durch Entbuschung und Schafbeweidung.

Auf der Neubürg befinden sich folgende Exponate:

  • „Bronzestele“ von Axel Luther, Bayreuth:
    Ammonitenspirale mit Durchblick auf Landschaftsdetails. Veränderung der gewohnten Sichtweise durch verdecken und herausheben. Der Rand der Spirale wird durchbrochen, so dass eine Lichtspirale auf der Fläche erscheint. Sie soll in gewissen Zeitabständen auf der Neubürg wandern, so dass sie sowohl als eigenständige Skulptur wirkt, aber auch auf den sichtbaren Ausschnitt im Loch der Spirale Rücksicht genommen wird.
  • „Kumulus“ von Angelika Summa, Würzburg:
    Die Skulptur, eine stilisierte, noch auf der Erde ruhende, schwere Wolke mit dem Titel „Kumulus“, greift den in der Konzeption hervorgehobenen Gedanken der meditativen Kraft der Neubürg auf. Es soll der Fantasie obliegen, die Wolke in die Lüfte zu heben. Die Wolke ist ein Symbol für Freiheit, Weite, Sehnsucht, Ruhe und Glück. In der Fantasie wird sie zu einer Art Bindeglied zwischen Himmel und Erde. Die Skulptur „Kumulus“ soll verdeutlichen, dass der Fantasie nichts zu schwer ist.
  • „Milchstraße“ von Carlotta Brunetti, Berlin:
    Die Milchstrasse ist aus Kalkstein um eine kleine Kuppe gebaut. Der Punkt liegt sehr hoch, also dem Himmel nahe. Dies und der wunderbare Überblick über die Landschaft haben die Künstlerin bewogen, einen Bezug zu unseren Sternen herzustellen – der Milchstrasse, unsere entferntere Himmelsheimat. Auf dem höchsten Punkt einer Kuppe liegt als Zentrum ein Findling. Um dieses Zentrum herum liegen auf einer Doppelspirale aus Kalkkies oder Sand weiße kleinere oder größere Kalksteine. Das ganze Spiralsystem umgibt die Kuppe wie ein Sternenband, dazwischen wachsen die Blumen und Gräser weiter. Da sich die Steine der Kuppe anschmiegen wirkt das daraus entstehende Gebilde wie eine Brust, die sich aus der Landschaft noch weiter erhebt – dadurch ein doppelter Bezug zur Milchstrasse. Die Arbeit bleibt bis zum Zerfall in einigen Jahren an dieser Stelle. Sie beeinträchtigt die Landschaft nicht. Schafe können darüber hinweg weiden.
  • „Der Samen der Zeit“ von Jean Michel Moraud, Quaix-en-Chartreuse (Frankreich):
    Ein erhöhter beschriebener Stein. Zeitbetrachtung zwischen Altamira [Höhle in Spanien, in der steinzeitliche Malereien gefunden wurden] und unserer Gegenwart schlägt vertraut und vereint die Natur für uns in ihrer eigenen Geschwindigkeit auf dem Bogen der Zeit. Zwischen Natur und Kultur öffnet sich der Durchgang der Dimitra [griech. Göttin der Landwirtschaft und Ernte] zwischen Materie und Geist, dem Samen und den Geheimnissen. Eine Vereinigung in der natürlichen Umgebung, vertikal und horizontal, konkret und zugleich symbolisch. Das vielfältige Gefühl führt unseren Weg auf eine offene Lichtung, die in ihrer Mitte einen poetischen Ort birgt, günstig für die meditative Wahrnehmung.
  • „Lebensrad“ von Wolfgang Pietschmann, Hollfeld:
    Runde Form, an Mühlrad oder Schleifstein erinnernd, mit dem Thema und der Station unseres Daseins im Lebensrad. Der Kreis gibt einen schützenden Raum frei, begrenzt durch sich selbst. Es entsteht eine Fokussierung auf einen zentralen Punkt, z.B. dem fixierten Naturmotiv Baum am Horizont. Die Positionierung erfolgte unter Berücksichtigung der geomantischen Kraftlinien.
  • „Zeitmesser“ von Uwe Mädger, Bremen:
    Eine Stele aus Granit und eine gepflanzte Eberesche sollen miteinander verwachsen. Die Natur wird den Gegensatz zwischen Holz und Stein verbinden, indem beide miteinander verwachsen. Baum und Stele werden sich gegenseitig stützen. Am Ende werden beide zusammen stärker sein als einzeln. Um den runden Platz mehr zu betonen, sind konische Quader aus Stein wie Tortenstücke auf den Baum ausgerichtet. Nebeneinander gesetzt werden sie zu Kreissegmenten einer Sonnenuhr, um das Phänomen Zeit mehrfach sichtbar zu machen. Die Zeit ist direkt ablesbar durch den Sonnenstand und längerfristig auch am Stadium der Überwallung der Stele durch den Baum. Die restliche Fläche der Mulde ist mit rosa und offen blühenden Wildrosen bepflanzt. Das Blütenmeer soll an der Ostseite aus dem Kreis herausfließen und wird nicht nur das Kommen und Gehen des Sommers anzeigen, sondern auch einen Schutz für diesen Raum bewirken.
  • „Hörner“ von Christoph Roßner, Schlema:
    Das Tierhorn fand als Gefäß oder Instrument seit jeher weiterführende Verwendung beim Menschen. Während das spitze Ende ein Tier durchaus wehrhaft machte, bot das breite offene Ende eines Horns eine ausgießende, schützende, verteilende oder sammelnde Funktion. Eingebettet in die Landschaft entsteht ein Raum- und Klangerlebnis. Durch die besondere Größe hat die „Klang- und Erlebnisform Horn“ etwas urzeitliches, wundersames. Die großen Trichteröffnungen sind talzugewandt positioniert, um optisch und akustisch „die Weite des Raumes mit Klang zu erfüllen“. An der engen Seite der Trichter wird über die menschliche Stimme oder vielleicht auch die Windbewegung der Ton oder ein Echo erzeugt. Als Reminiszens an die ehemals vorhandenen Eichenwälder, vor allem aber um eine naturnahe Kunstform zu präsentieren, hat sich der Künstler für das Material Holz entschieden.
  • „Windlöffel“ von Roger Rigorth, Otzberg:
    Sich im Wind bewegend, Wind löffelnd. In der Installation der Windlöffel geht es um das Erhören und Erlöffeln des Äthers unserer Welt, jener feinstofflichen Energien und Niederschriften, die durch die Luft und den Wind schwingen. Die Arbeit sieht aus, als würde sie warten. Der leicht geöffnete Löffel sieht aus, als warte er darauf, etwas einzufangen. Während des Betrachtens und des Sehens scheint das Ohr sensibler zu werden und plötzlich werden Vogelsingen und Windrauschen wahrgenommen. Die Betrachtung nimmt auch akustische Wege. Vielleicht steht auch der visuelle Aspekt im Vordergrund, das Material Holz und Sisal, das den Gedanken verstärkt, dass hier etwas verborgen ist.
  • „Klatschschnäbler“ von Ernst Hingerl, Pettenreuth:
    Vogelschwärme haben unsere Überland- und Telefonleitungen als Versammlungsorte entdeckt. Da treffen sie sich, beklatschen Neuigkeiten, besprechen Flugrouten oder halten Rat. Was immer sie tun – es ist so wunderbar, ihnen zuzusehen, dass dieses Bild festgehalten wurde.
  • „Die Öffnung der Kraft“ von Beat Breitenstein, Ins (Schweiz):
    Hauptanliegen ist, ein Zeichen zu setzen für Macht, Kraft, Ausdauer und Stärke. Durch das Öffnen des Baumes wird die innere Kraft sichtbar. Das dreiseitige Einschneiden des Baumes ermöglicht dem Betrachter, den inneren Kern und somit das Geheimnis des ersten Lebensjahres wahrzunehmen. Auf diesen Punkt wird der erste Stein gesetzt, alle weiteren werden auf einer bestimmten Stelle wieder aufgesetzt. So wird symbolisch die unsichtbare Energie vom innersten Kraftpunkt des eigenen Selbst nach außen, also in die Weite hinaus geführt.
    Die Steine, als Symbol der Kraft des eigenen Selbst verdoppeln diese innere, ursprüngliche Energie. So kann der Betrachter diese Tiefe der Lebenskraft nicht nur sehen, sondern auch spüren, was einerseits durch die Skulptur, andererseits durch die Weite der Landschaft hervorgehoben wird.
  • „Richtungsgugger“ von Wolfgang Pietschmann, Hollfeld:
    Beim „Richtungsgugger“ handelt es sich um das zweite Kunstwerk des Künstlers Wolfgang Pietschmann auf der Neubürg. Mit mächtigen dreieinhalb Tonnen Gewicht weist der „Richtungsgugger“ mit seiner Nase exakt in Richtung Norden. Im unteren Bereich besteht die Skulptur aus mainfränkischem Sandstein. Die obere Hälfte, der stilisierte Kopf, wiederum ist aus Kalkstein aus der Region Kehlheim geformt.
  • „Riese“ von Wolfgang Pietschmann, Hollfeld:
    Mit dem Werk „Riese“ wurde das dritte Exponat von Wolfgang Pietschmann, diesmal am Fuße der Neubürg, platziert. In Anlehnung an die Sagen und Mythen um den Zeugenberg – vor allem jene, welche an die nordische Mythologie anknüpfen – beschreibt Pietschmann selbst das Exponat mit lediglich zwei Worten: „Wotan wacht.“.

(© Fotos: Bernd Lippert)